Sanierung und Erweiterung des Seebads in Starnberg

Freier Blick auf Seepanorama

Die einzigartige Lage unmittelbar am nördlichen Ufer des Starnberger Sees bestimmte schon den Wettbewerbsentwurf der Münchner Seifert Hugues Architekten zur Sanierung und Erweiterung des 1972 erbauten Hallen- und Strandbades. Neu strukturiert und umgestaltet orientiert sich das „Seebad Starnberg“ an seiner natürlichen Umgebung, bezieht diese in den Innenraum ein und öffnet den Panoramablick auf den See und die Berge.

Das Hallenbad mit Mehrzweck- und Lehrschwimmbecken wurde zu Beginn der 1970er-­Jahre erbaut und Mitte der 1980er-Jahre um ein Familienbad erweitert. Die Verantwortlichen der Stadt Starnberg beschlossen eine umfassende Sanierung, Erweiterung und Umgestaltung der Anlage. Konzipiert als freizeitorientiertes Familien- und Sportbad mit angemessenem Gesundheits- und Wellness­angebot sollte es in erster Linie auf die Versorgung der Bevölkerung von Starnberg und Umgebung ausgerichtet sein.

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Foto: Rainer Viertlböck

Fakten

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Foto: Rainer Viertlböck

Standort
Starnberg, Deutschland

Bauherr/Betreiber
Stadt Starnberg

Architekten
Seifert Hugues Architekten GmbH
DE-80331 München
www.seifert-hugues.de

Landschaftsarchitektur
Lohrer Hochrein LA BDLA

Tragwerksplanung
Schneck Schaal Braun
Ingenieurgesellschaft Bauen mbH

TGA-Planung (HLSB)
Kannewischer Ing.Ges.mbH

Projektsteuerung
WSP Deutschland AG

Autorin
Martina Helzel

Fotos
Rainer Viertlböck

Wiedereröffnung
Juli 2018

Baukosten
21,8 Millionen EUR

Behutsame Erweiterung

Um die laut Raumprogramm zusätzlich geforderten Aufenthalts- und Nutzflächen für das angrenzende Strandbad, Hallenbad, Sauna und Gastronomie unterzubringen, wurde der dreiteilige Bestandsbaukörper durch Verlängerung zweier Bauvolumen nach Westen erweitert. An den mittleren Trakt mit Umkleiden, Personalräumen, Verwaltung und Lehrschwimmbecken schließt eine neue Eingangshalle an; die Schwimmhalle erhielt einen Kopfbau mit Gastronomie und Sauna. Die vorgelagerte Restaurant-Terrasse im Obergeschoss erstreckt sich uüber einen massiven Sockelbau, der die Südwest-Ecke umfasst. Da­run­ter liegt der zentrale Saunabereich. Losgelöst vom Hauptgebäude entwickelt sich die Saunalandschaft über einzelne, an einem "Steg" angeordnete Saunahütten weiter bis zum See. Durch ihren "Bootshütten-Charakter" fügt sie sich harmonisch in die typische Ufergestaltung des Starnberger Sees ein.

Das neue Foyer präsentiert sich als einladende, lichtdurchflutete Halle. Die Rezeption in unmittelbarer Eingangsnähe beinhaltet neben der Kassenanlage auch alle im Badebereich erforderlichen Angebote und Dienstleistungen. Sämtliche Besucherbereiche, einschließlich des Strandbades, sind nun übersichtlich uüber das zweigeschossige Foyer erschlossen und über einen gemeinsamen, behindertengerechten Aufzug erreichbar. Neben der rollstuhlgerechten Gestaltung des Gebäudes, behindertengerechter Umkleidebereiche sowie der Zugänglichkeit der Becken durch einen Hebelift und Sitztreppen ist das Bad mit einem Blindenleitsystem, induktiven Höranlagen und neben akustischen auch mit optischen Warnsystemen ausgestattet.

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Foto: Rainer Viertlböck

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Foto: Rainer Viertlböck

Das Restaurant im Obergeschoss, das auch externen Gästen zur Verfügung steht, ist zusätzlich über einen eigenen Eingang vom Vorplatz aus erreichbar. Ein Veranstaltungsbereich im 2. Obergeschoss und die großzügige Terrasse mit Seeblick ergänzen das Angebot.

Die neue Fassade umschließt nahtlos Bestandsbaukörper und Erweiterungsbauten und fasst sie zu einem Ganzen zusammen. Geschlossene Bereiche sind mit einer liegenden, vorpatinierten Rhombenschalung verkleidet. Das Bild der großflächigen Glasfassaden auf der Ost-, Süd- und Westseite wird durch eine vorgehängte Lamellenkonstruktion geprägt. Die umlaufend angeordneten horizontalen Lamellen bieten Sonnen- und Blendschutz und mindern Vogelschlag. Zusammen mit den direkt angeschlossenen Erweiterungen streckt die in Holzoptik ausgeführte, raumgreifende Konstruktion den vorher überhöht wirkenden Baukörper und integriert ihn optisch in die baumbestandene Uferlandschaft.

Im Zuge der Fassadensanierung wurde die Südfassade der Schwimmhalle leicht nach außen versetzt, um mehr Aufenthaltsflächen um das Becken zu erhalten und eine Verschränkung der verschiedenen Funktionsbereiche zu ermöglichen.

Reduzierte Gestaltung

Helle Holz- und natürliche Farbtöne bestimmen das Erscheinungsbild des Seebades. Im Innenbereich werden sie durch wenige lebhafte Farben ergänzt, die gleichzeitig der Kennzeichnung der Nutzungsbereiche dienen. So ist das Hallenbad in kräftigen Grüntönen gehalten, während die Saunalandschaft in warmem Orange und das Freibad in hellem Blau gestaltet sind. Lichteinschnitte und gezielt gesetzte Spiegel zur optischen Erweiterung und Lichtverteilung bringen Tageslicht in bisher dunkle Bereiche des Bestands.

Auch die hellen, mattglänzend marmorierten Wandflächen in den Badebereichen sowie den höher frequentierten Bereichen der Erweiterungsbauten tragen zu der ruhigen und entspannten Atmosphäre im Seebad bei. Die Böden sind einheitlich mit Feinsteinzeug in Steinoptik (Schwimmbad und Umkleiden) oder Holzoptik (Restaurant und Sauna) belegt. Weißtanne-Akustiktafeln an den Decken sorgen nicht nur für die akustische Optimierung, sondern filtern als transluzenter Lamellen-Screen das vor den Fensteröffnungen einstrahlende Sonnenlicht. Der gezielte Einsatz von nur wenigen Materialien zeigt sich auch im Foyer und in den Saunahütten. Hier zieht sich die Holzverschalung der Fassade in den Innenraum hinein und verknüpft so fast unmerklich Innen und Außen.

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Foto: Rainer Viertlböck

Außenanlagen

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Foto: Rainer Viertlböck

Ein flacher Schilfgraben, in dem sich das Oberflächenwasser sammelt, erstreckt sich vom See vorbei an der Saunalandschaft bis zur nördlich verlaufenden Straße und grenzt den Vorplatz vom Fahrverkehr und den öffentlichen Parkplatzbereichen ab. Zwei befahrbare Brücken­elemente aus Fertigbetonteilen führen zu den Eingängen des Bades und des Restaurants und dienen gleichzeitig der Erschließung des Mitarbeiterparkplatzes und der Behindertenstellplätze. Eine dritte Überquerung der Schilfpflanzung ist für die Anlieferung der Gastronomie bestimmt. Den Übergang vom Gebäude zur Liegewiese bildet ein im Osten und Süden umlaufender Weg, der sich partiell zu zwei Terrassen erweitert und zu den Umkleiden des Strandbades im Erdgeschoss führt. Im Saunabereich ersetzt ein in breiten Stufen angelegter Seezugang die ehemalige Betonmauer.